Der Goldbecher

Die Autorin schmiedet einen Goldbecher.

Versteckter Reichtum

Als ich vor etwa dreizehn Jahren als Silberschmiedin angestellt war, kam einmal ein besonders unscheinbarer Kunde in den Laden. Er war schlank, beinahe schmächtig, um die fünfzig und er trug, weil es Sommer war, ein gestreiftes Hemd, Jeans und Sandalen (ich weiß nicht mehr, ob mit Socken oder ohne).

Er grüßte höflich und ging dann in Ruhe an den Vitrinen auf und ab. Mit großem Interesse blieb er bei den getriebenen Silberbechern mit feinem Hammerschlag-Muster stehen. Nach einer Weile machte er auf sich aufmerksam und teilte dem Meister mit, dass er zwei der Becher kaufen wolle.

Das tat er also. Während seine Ware eingepackt wurde, sagte der Meister halb im Scherz, dass man solche Becher auch aus Gold schmieden könnte. Der Kunde nahm das nickend zur Kenntnis, packte die Becher in sein Einkaufsnetz und ging.

„So viel wie ein Kleinwagen!“

Ein paar Wochen kam er zurück und erklärte, dass er einen Goldbecher angefertigt haben wollte, und zwar mit genau den gleichen Maßen wie die Silberbecher, die er gekauft hatte. Aber wir konnten das Material unmöglich im Voraus bezahlen. Der Kunde war glücklicherweise mit einer Vorkasse einverstanden. Das Stück Blech kostete nach dem Tagespreis 24.000 Euro. „So viel wie ein Kleinwagen“, sagte der Meister.

Als der Tag kam, um den Becher zu schmieden, begrüßte mich der Meister mit Schweiß auf der Stirn. „Ich kann das Blech nicht finden! Ich hab’s so gut versteckt, dass ich selbst nicht mehr weiß, wo’s steckt.“ Nach einigem angestrengten Denken fand er es doch und wir schmiedeten abwechselnd den Becher. Das Tiefziehen ging viel leichter als mit Silber, aber den Hammerschlag schön drauf zu bekommen war knifflig. Das Gold war so weich, dass man nicht zu feste schlagen durfte.

Der Kunde war am Schluss sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Unser Gewinn war der Verschnitt – wir hatten zu Beginn einen Kreis aus dem Quadrat ausgeschnitten, weil der Becher auch rund sein sollte.

„Interessant“, sagte der Meister später, (ich paraphrasiere) „vielleicht hat er im Lotto gewonnen und wollte das Geld in was Schönes anlegen. So vom Aussehen her ist er wohl eher einen durchschnittlichen Lebensstandard gewöhnt.“


Worum geht es hier?

Keine Sorge, ich werde in meinem Blog nicht eine Anekdote nach der anderen raushauen. Hier geht es um Brettspiele und um alles Mögliche, was dazugehört. Ich habe euch diese Geschichte erzählt, weil sie meiner Meinung nach anschaulich demonstriert, dass die Verpackung täuschen kann.

Früher habe ich Brettspiele gekauft, weil die Packung schön bunt war.

Ich mag bunte Sachen. Ich mag Geschichten. Aber noch lieber mag ich Brettspiele. Warum? Sie stellen eine Simulation dar, einen Zeitraum, in dem man aus der Alltagswelt mit ihren Alltagsregeln heraustreten kann. Sie sind ein praktisches Mittel, um den Charakter von Menschen besser kennenzulernen. Zudem sind sie ein – meistens – freundlicher Zeitvertreib, stellen einen vor Rätsel und Dilemmas und schulen taktisches Denken.

Früher habe ich Brettspiele einfach gekauft, weil die Packung schön bunt war. Heute bevorzuge ich zwar immer noch die bunteren Spiele mit vielen Komponenten und ein bisschen Punktesalat – Schach ist mir ein Graus -, aber ein wichtiger Aspekt ist dazugekommen: Ich überlege, wenn ich ein Spiel recherchiere, mit wem ich es spielen kann. Wer außer mir Freude daran haben würde. Und ob ich das Spiel nicht vielleicht schon in ähnlicher Form besitze und es sich deshalb nicht lohnt, das Geld in ein weiteres derselben Art zu investieren.


Deshalb wird dies kein Blog werden, der das neueste Spiel vorstellt, das gerade auf dem Brettspielmarkt erschienen ist. Es wird auch keine Unboxing-Videos geben. Nein – zuerst teile ich mit euch, was ich bei den Spielen entdeckt habe, die sich bereits in meiner Sammlung befinden. Vielleicht philosophiere ich auch mal zu bestimmten Konzepten oder zum Spielen mit Freunden und Familie.

Dass mir ein Spiel besonders gefällt, merke ich daran, dass ich mir neue Varianten ausdenke oder Zubehör dazu bastle. Einige der Bastelideen sind Spielhilfen, andere verschönern einfach die Komponenten oder erleichtern einen schnellen Aufbau.

Vieles davon ist einfach nachzubasteln. Teilweise habe ich auch Schnittvorlagen oder Scans angefertigt. Das wird also eine etwas andere Art von Kreativ-Blog. Ihr dürft gespannt sein!


Weil es sich um einen persönlichen Blog handelt, gibt es keine festen Termine für Updates. Ich werde etwas schreiben, wenn ich etwas mitzuteilen habe. Das hat sich als am effektivsten erwiesen.

Viel Spaß also mit dem Blog und herzlich willkommen!

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