Wie das oft so ist, habe ich auf der Spiel Essen ein bestimmtes Spiel gesucht… und dann ein anderes gekauft. Forestry ist ein tschechisches Brettspiel für eine bis vier Personen, in der alle eine möglichst effiziente Waldwirtschaft zu betreiben versuchen. Dabei bekommen wir Boni, wenn wir die Bäume schützen und den Wald wieder aufforsten. Das Spielziel ist es, die meisten Punkte zu sammeln, indem wir Aufträge erfüllen.

Wir fahren mit einer Harvester-Figur durch den Wand und betreiben Kahlschlag – Verzeihung, wir ernten die Bäume. Die gesammelten Hölzer bedürfen dann noch einer zusätzlichen Bearbeitung und können dann als erfüllte Aufträge abgegeben werden. Im Grunde ist es ein Schreinern und Zimmern nach Rezept, wobei ein Auftrag bis zu zehn Komponenten enthalten kann.
Um die Aufträge schneller zu erfüllen, erweitern wir Stück für Stück unseren Betrieb. Wir schalten Lagerplätze frei, platzieren Setzlinge, welche die Gehölze auf dem Spielplan wieder verfügbar machen, verbessern die Aktionen am Rande des Spielplans und schnappen uns verschiedene Einzel-Boni.
Eine Partie dauert bis zu zehn Runden, wobei die Runden im Verlauf des Spiels länger werden können, je nachdem, wie viele Aktionen uns zu Verfügung stehen.

Am Anfang wirkt die Auslage etwas überwältigend, aber schnell erschließt sich das System. Die Aufträge liegen ganz außen. An die kreisrunde Punkteleiste geschmiegt sind Aktionsfelder eingebettet (das Sägewerk) zu denen wir eine sekundäre Figur (die Führungskraft) bewegen. Und in der Feldmitte ist der eigentliche Wald. In diesem sind verschiedene Einzelboni verteilt, von denen wir uns eine Handvoll freischalten können, und natürlich die Bäume.
Auf unserem Spielertableau sind unsere freigeschalteten Boni ordentlich angeordnet. In der fortgeschrittenen Variante hat jeder Charakter außerdem eine besondere Fähigkeit, was den Spielverlauf etwas abwandelt.
Nach ein bis zwei Stunden ist die Partie vorbei. Wir verrechnen noch unsere Bonuspunkte und wer danach die meisten Punkte hat, gewinnt.
Forestry verfügt über einige verschiedene Ressourcen, übertreibt es dabei aber nicht mit der Fülle der Optionen. Lustig fand ich die „Human Resources“ – Zeitarbeitskräfte als orangefarbene Marker.

Trotzdem braucht es ein paar Partien, um die Verflechtungen der möglichen Aktionen wirklich zu verstehen und sie in einer effektiven Reihenfolge zu nutzen. Alles zusammen passt in eine Box der gleichen Größe wie Die Siedler von Catan. Es ist ein hübsches Wirtschaftsspiel, das nicht so lange dauert wie SETI – auf der Suche nach außerirdischem Leben, aber komplexer ist als Juicy Fruits.
In der Spielanleitung werden uns Informationen zur tschechischen Waldwirtschaft nahegebracht, was dem Spiel einen gewissen Realitätsbezug verleiht. Darin wird zum Beispiel erwähnt, dass ein falsch eingesetzter Harvester dem Wald schaden kann. Es handelt sich um eine schwere fortwirtschaftliche Maschine, die befestigte (zumindest verdichtete) Waldwege benötigt. Ansonsten verdichtet sich der Harvester nämlich ganz von selbst die Fahrwege. Wir lernen etwas über die Anwendungsbereiche der vorgestellten Holzarten und welche Methoden von Baumschutz es gibt. Über den Wald als komplexes Ökosystem lernen wir nicht so viel – immerhin wird jedoch erwähnt, dass Totholz wichtig für den Waldkreislauf ist. Für ein tiefergehendes Verständnis des Ökosystems eignet sich wohl Ecogon besser.
Ich hatte jedenfalls Spaß dabei, mit dem Mini-Harvester im Brettspielwald herumzufahren und Regale, Häuser und einen Holzsatelliten auszuliefern. Holz ist ein schönes, langlebiges und nachwachsendes Material und Forestry hat meine Freude daran wieder neu geweckt.


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