Ein gutes Spiel lebt nicht nur von den Regeln, sondern auch von den Komponenten. Die Holz- Papp- und Kunststoffteile können das Spielerlebnis angenehm oder antrengend, abstrakt oder immersiv machen. Schauen wir uns ein paar Beispiele an.
Symbole und Text

Kosmoktopus hat als Spielsteine vier Währungen – Sterne, Münzen, Tintenfässer und Geheimnisse in Form von kleinen Sprechblasen. Diese haben eine recht normale Größe, ungefähr wie ein typischer Würfel. Die Karten sind so groß wie Poker-Karten. Es wäre also reichlich Platz für große Symbole. Manche Symbole sind allerdings äußerst klein geraten, wie etwa die Erläuterung in Klammern auf der Karte „Funkelnder Knochenfisch“. Die Handhabe ist also in Ordnung, aber man wird aufgehalten von dem Versuch, die Bildchen voneinander zu unterscheiden.

Bei Tang Garden ist es noch krasser. Ein wunderschönes Spiel – nur bisweilen zu sehr auf „dezente“ Ästhetik statt auf Lesbarkeit getrimmt. Die auf einer Spitze stehenden Quadrate auf diesen Karten unterscheiden sich farblich; der Farbstreifen ist höchstens einen halben Millimeter breit.

Diese Rundmarker sehen sich auch sehr ähnlich. Es gibt zwei Motive. Aber halt – es geht noch schlimmer!

Währung! In vier Beträgen: Eins, Fünf, Zehn und Zwanzig. Gnädigerweise sind die Münzen unterschiedlich groß.
Everdell ist ebenfalls bildschön. Schaut euch diese Karten an! Doch könnt ihr sie auch lesen?

Nachdem ihr meine am schlechtesten erkennbaren Spielkomponenten gesehen habt, hier zwei positive Beispiele:

So ist das doch nett: Jede Karte von Undergrove ist farblich gut zu unterscheiden. Zusätzlich ist jeder Farbe eine andere Pilzform zugeordnet. Die Mineral-Symbole sind mit klaren Lettern gekennzeichnet. Auch die Zapfen, die für Punkte stehen, heben sich sauber vom Hintergrund ab.

Spots ist mein Spiel mit den augenfreundlichsten Komponenten. Die Würfel haben eine normale Größe, die Texte sind extragroß, die Aktionskarten aus stabilem Karton – und als Bonus sind die Hundebilder super knuffig. Alles richtig gemacht!
Spielsteine
So viel zur Optik… Nun zur Haptik. Ich selbst bin Feinmotorikerin, aber mein Partner nicht. Mein Daumen ist ungefähr so groß wie sein kleiner Finger. Mit ihm zu spielen hat meine Perspektive deutlich erweitert.

Hier muss ich Tang Garden loben. Diese Fortschrittsleiste hat gestanzte Vertiefungen, sodass die Klötze nicht verrutschen können. Anders ist es bei Forestry...


Gebt auf eure Ärmel acht, denn eine unachtsame Bewegung und der Zählstein ist fort!

Cottage Garden hat eine Zählleiste mit winzigen Klötzen und ohne Vertiefungen – oh je…

Die Haupt-Spielkomponenten sind aber schön groß.
Die würfelförmigen Tiermarker von Harmonies flutschen gerne mal aus der Hand und verschwinden unter dem Tisch.


Der begrenzende Faktor für die Baumgrößen in Evergreen war wohl die Größe der Spielschachtel. Mit einer gelegentlichen Entwurzelung im Verlaufe des Abends ist zu rechnen. Die Zählmarker können übrigens sehr gut rollen.

In Juicy Fruits (hat nichts mit dem Lied zu tun) sammeln wir Obst und tauschen es gegen Aufträge ein. Die Spielsteine machen richtig Spaß, denn sie sind ungewöhnlich groß und griffig, oder, wie man auf Englisch sagt, „chonky“. Ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man raschelnd in die Obstschachtel greift.

Die Bauklötze von Imhotep sind ebenfalls ausreichend groß, was für viel Zufriedenheit sorgt, wenn man sie auf der Baustelle platziert.
Fazit
Mittlerweile haben einige Produzenten die Rückmeldungen zu Herzen genommen und zumindest manche Spielkarten als besser lesbare Variante herausgebracht. Dazu zählen zum Beispiel die Karten von Everdell und Flügelschlag.
Am besten finde ich es jedoch, wenn das Design von vorneherein so konzipiert ist, dass möglichst viele Menschen am Spiel Spaß haben – auch die mit großen Fingern oder kleiner Sehstärke.
Gruß!

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