Heute zeige ich euch eine weitere Solo-Idee, die gleichzeitig dazu dienen kann, die Spielmechaniken auszuprobieren. Schlote der Tiefe ist ein Spiel für zwei bis vier Personen. Am Meeresgrund wird in neun Runden ein kleines Ökosystem aufgebaut. Archaeen (Ar-chä-en), also urzeitliche Einzeller, werden hier als Ressource verwendet. Wer die meisten Punkte sammelt, primär duch den Besitz von den meisten Archaeen, gewinnt. Dieses Spiel kann relativ leicht mit einer Solo-Variante ausgestattet werden.
Aufbau
Der Aufbau erfolgt wie bei einem gewöhnlichen Zwei-Personen-Spiel. Als einzige zusätzliche Komponenten benötige ich einen sechsseitigen Würfel (W6) und eine Schablone. Die Schablone ist optional und erfüllt die Funktion einer Spielhilfe: Auf ihr habe ich notiert, was ich beim Solo-Spiel beachten muss.

Werfen wir einen genaueren Blick auf die Schablone.

Menschliche Spieler haben die freie Wahl, wie sie die Plättchen ihres Ökosystems anordnen. Für den Automa (den automatischen Spieler) habe ich ein Raster für die Lege-Reihenfolge vorgegeben. Das hat zur Folge, dass manche benachtbarte Felder des Automa gut miteinander interagieren, während andere unter Umständen nichts miteinander zu tun haben. Der Automa hat das gleiche normale Startplättchen wie ein menschlicher Spieler, den Tiefen Schlot.
Zum Spielbeginn wähle ich eine Schwierigkeit. Ich habe diese ausgetestet, aber auch die einfachste Schwierigkeit ist nicht ohne! Je nach Schwierigkeit hat Automa zu Beginn 30, 40 oder 50 Archaeen im Vorrat. Ich selbst beginne als Startspielerin mit der entsprechenden Anzahl Archaeen im Startvorrat.

Zusätzliche Regeln
Nach meinem ersten Zug ist Automa an der Reihe und „wählt“ ein Plättchen. Dafür ist der Würfel gedacht. Es liegen immer fünf Plättchen aus plus der offene Stapel, also kann ich jede Würfelseite einem Plättchenplatz in der Reihe zuordnen. Bei einer 6 zieht Automa vom Stapel, in diesem Fall den Asselschwarm. Glück für mich, denn der Schwarm interagiert nicht mit dem Tiefen Schlot, der schon im Ökosystem liegt. Automa muss nie Archaeen bezahlen, um Plättchen zu nehmen.

Atoma benutzt Muscheln immer, sobald es möglich ist. Damit soll verhindert werden, dass sie gehortet werden. Muscheln dienen der Schadensverringerung bei einem gegnerischen Angriff.
Ich habe mir außerdem überlegt, wann Automa welche Aktion wählt. Es gibt Wachsen und Auslösen. Wachsen bedeutet, dass Archaeen auf einem Plättchen hinzugewonnen werden. Auslösen aktiviert die Fähigkeit eines Plättchens, gegebenenfalls gegen Bezahlung von Archaeen, die auf dem Plättchen liegen. Automa löst Plättchen aus, wenn auf dem Plättchen mindestens 3 Archaeen liegen und das Auslösen legal ist. Bei Plättchen, die die Archaeen von Nachbarn verwenden, gilt die Bedingung von 3 Archaeen nicht. Falls das Auslösen nicht möglich ist, wählt Automa die Aktion Wachsen.

Das war es schon mit den zusätzlichen Regeln. Alles Weitere läuft ab wie gewohnt.
Nach der Hälfte des Spiels hat Atoma bereits eine ganze Menge Archaeen im Vorrat, während es bei mir noch mau aussieht (Würfel = 1 Archaee, Sechseckiger Stein = 5 Archaeen). Ich habe nicht besonders aggressiv gespielt. Vielleicht kann ich Atoma mit dem Kalmar angreifen, sobald ich einen habe?

Ende der Partie
Am Ende des Spiels habe ich einige Muscheln übrig, die immerhin jeweils einen halben Punkt wert sind, und eine übersichtliche Anzahl von Archaeen. Mein Koloss-Kalmar hat Atoma einige Archaeen gekostet. Leider habe ich den Großen Raucher recht spät gezogen und deshalb kaum nutzen können. Dieser hätte mir nach einigen Runden sehr viele Archaeen eingebracht.

Automa hat mich mit einer Kombination von Riesenriemenfischen und Röhrenwürmen ausgenommen. Die Kombination von Feldern, die sich gegenseitig wieder befüllen, war äußerst effektiv.
Fazit
Die Automa-Mechanik ist sehr simpel, hat aber einen großen Zufallsfaktor. Um gegen Automa zu gewinnen, muss ich in Zukunft mehr auf die Effekte reagieren, die innerhalb Automas Ökosystem aktiv sind. Der Solo-Modus ist gut dazu geeignet, um die Interaktion der verschiedenen Plättchen auszutesten und Symbiosen zu entdecken.
Für den Materialaufwand von einem Würfel bin ich zufrieden, aber es ist ziemlich klar, warum Schlote der Tiefe für zwei oder mehr Personen gedacht ist. Der Reiz des Spiel besteht darin, dass man sich gegenseitig Lebewesen aus der Auslage wegschnappt und auch auf das Ökosystem der Mitspielenden reagieren kann. Ein automatischer Spieler kann eine solche Spannung schwer erzeugen.
Ich kann das Spiel empfehlen. Es wird vom Leichtkraft-Verlag verlegt und kostet auch nicht so viel. Ab 14 Jahren wird es sein, weil jüngere Kinder wohl eher nicht die sehr unterschiedlichen Interaktionen zwischen den Plättchen verstehen und entsprechend planen können. Selbst mit den „nur“ 10 Feldern hat das Spiel eine unerwartete… Tiefe.
Gruß!


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